eAssessments
Digitale Tools verändern das Lernen und Prüfen auf der Sekundarstufe II. Auf dieser Seite finden Sie Beispiele und Erfahrungen aus Zürcher Schulen. Sie unterstützen Sie dabei, digitale Lernstandserhebungen wirkungsvoll im Unterricht einzusetzen und weiter zu entwickeln.
Die Anlaufstelle eAssessment Sek II unterstützt die Weiterentwicklung von eAssessment-Methoden. Trägerschaft: Digital Learning Hub Sek II und Digital Service Center EdTech Kontakt: eAssessment[at]dlh.zh.ch
Eine kompakte Zusammenfassung der Ergebnisse zum Projekt Digitale Leistungserhebung - eAssessments im Unterricht (März 2024 - März 2026) erhalten Sie hier:
Umfassende Bedarfsanalyse (Dezember 2024):
Formative und summative Assessments erfüllen unterschiedliche Funktionen - gerade im digitalen Kontext ist eine klare Unterscheidung wichtig.
Formative eAssessments sind Bestandteil des Lernprozesses. Sie finden regelmässig statt, werden nicht benotet und geben Ihnen sowie Ihren Lernenden Rückmeldung darüber, ob die nötigen Kompetenzen bereits vorhanden sind, um im Unterricht fortzufahren. Ziel ist es, Lernprozesse individuell zu steuern und die Motivation zu fördern. Im Gegensatz zu summativen Assessments lassen sich damit auch Selbstkompetenzen, kognitive Lernstrategien und sozial-kommunikative Fähigkeiten gut beurteilen. Werden formative Assessments häufig durchgeführt, stärken sie den Lernerfolg und fördern einen konstruktiven Umgang mit Fehlern. Sie können die Entwicklung von Selbstkompetenzen, Lernstrategien und sozial-kommunikativen Fähigkeiten gut unterstützen.
Summative eAssessments erfolgen als Abschluss des Lehr-Lern-Prozesses, etwa am Ende einer Lernphase oder eines Kurses. Sie prüfen, ob die zuvor transparent kommunizierten Lern- und Kompetenzziele erreicht wurden und dienen der Qualifikation. Die Einhaltung von Gütekriterien (Objektivität, Validität, Reliabilität) ist hier besonders wichtig.
Für digital durchgeführte schriftliche Prüfungen sind hier praxisorientierte Empfehlungen als Diskussionsgrundlage zusammengestellt, die an vielen Schulen Sek II gelebt werden:
Der zentrale Unterschied liegt also im Zweck:
- Formativ: Lernen unterstützen und Unterricht verbessern
- Summativ: Leistung mit einer Norm vergleichen und beurteilen
.
Digitale Assessments entfalten ihre Stärken dann, wenn sie mehr bieten als eine „digitalisierte Papierprüfung“. Sie sind besonders wirksam, falls sie interaktives oder aktives Lernen unterstützen.
Die Nutzung von digitalen Medien führt für sich genommen nicht automatisch zu besseren Lernleistungen. Es kommt entschieden darauf an, wie sie von der Lehrperson eingesetzt werden. Falls KI beispielsweise nicht didaktisch begleitet an Schulen genutzt wird, besteht ein Risiko, dass Lernende schlechter, statt besser lernen, weil wichtige Denkprozesse an die Technik ausgelagert werden, statt sie zu üben.
Einsatz von KI
Viele Lernende nutzen KI selbstverständlich im Alltag – als Assistent, Tutor oder Sparringpartner. Deshalb ist ein klarer, gemeinsam erarbeiteter Umgang mit KI im Unterricht und bei Prüfungen notwendig. Lehrpersonen können:
- Aufgabenformate wählen, die nicht vollständig automatisierbar sind
- analoge Arbeitsschritte bewusst einbauen
- Aufgaben entwickeln, die Analyse, Anwendung und Transfer fördern
Hier finden Sie mehr zum Einsatz von KI beim Prüfen und Bewerten und zur neuen Aufgabenkultur mit KI:Leitfaden von Joscha Falck und Manuel Flick und im Blog, Aufgabenkultur mit KI.
Rechtliche Rahmenbedingungen
Ob digital oder analog – rechtlich macht das kaum einen Unterschied. Es gelten dieselben Bestimmungen für Unterricht, Prüfungen, Bewertung und Rechtsgleichheit, siehe Auflistung der Rechtsgrundlagen:
Wichtig bei digitalen Verfahren: Die Grundprinzipien des Datenschutzes, der Datensicherheit und des Urheberrechts müssen eingehalten werden.
Software
Nicht jede eAssessment-Software eignet sich für jedes Fach. Die Auswahl sollte:
- in erster Linie pädagogisch-didaktisch begründet sein
- datenschutzrechtlich geprüft sein
- von der Schule empfohlen und technisch unterstützt sein
Während manche Softwarelösungen für administrative Anwendungen aus Sicht des Datenschutzes eher unkritisch sind, erfordern andere, z.B. solche mit Verarbeitung von Sprach- oder Handschriftaufzeichnung, eine vertiefte Risiko-Abklärung.
Hier sind Empfehlungen zu umfassend geprüften Softwarelösungen des Kantons, welche aktuelle pädagogische Bedürfnisse erfüllen: Kantonale eAssessment-Software-Empfehlungen
Methoden für eAssessments
Unter Methoden für eAssessments versteht man die digitalen Verfahren zur Überprüfung von Wissen und Kompetenzen. Die passende Methode hängt vom Ziel ab. Die Methoden unterscheiden sich:
- in ihren Möglichkeiten, die geforderte Kompetenzen zuverlässig und effektiv zu fördern und zu überprüfen
- im Aufwand für Erstellung, Betreuung und Korrektur
- in ihrer Form – schriftlich, mündlich, praktisch, multimedial
Das Spektrum an lernwirksamen Methoden ist breit und entwickelt sich laufend weiter.
Eine klare Zuordnung gibt es nicht – denn die Aufgabenstellung, das Unterrichtssetting und die Zielgruppe spielen eine große Rolle bei der Wahl einer passenden Methode. Aber: Die Tabelle der Universität Zürich bietet eine sehr hilfreiche Groborientierung. Man bekommt einen schnellen Überblick darüber, welche Assessment-Formate sich besonders gut für bestimmte Kompetenzstufen eignen – ideal zur Planung und Weiterentwicklung Ihrer Lehrpraxis
Die kompakte Übersicht mit 15 erprobten Assessment-Formaten aus den Teaching Tools der Universität Zürich gibt verständlich und schnell eine fundierte Übersicht. Man bekommt auf einen Blick eine kurze Beschreibung jedes Formats, Infos zum Endprodukt und Hinweise, welche Kompetenzen damit besonders gut geprüft werden können. Die meisten Formate eignen sich übrigens auch bestens für die Sek II. Holen Sie sich das Dokument mit weiterführenden Empfehlungen direkt hier.
Assessment-Toolbox der Universität Bern. Auf der Suche nach innovativen Prüfungsformaten hilft diese Assessment Toolbox. Sie enthält mehr als 75 Prüfungsformate. Mithilfe weniger gezielter Fragen wird die Liste so gefiltert, dass die Formate oben erscheinen, die am besten zu Ihren Anforderungen passen.
Die Formate sind nur kurz beschrieben. Wer mehr wissen möchte, findet vertiefende Informationen im Buch Kompetent Prüfungen gestalten (J. Gerick, A. Sommer & G. Zimmermann, Hrsg., Waxmann, 2022).
Darin werden 60 Prüfungsformate praxisnah erläutert, theoretisch eingeordnet und in einer übersichtlichen Kurzform dargestellt. Zudem ist jedem Format zugeordnet, welche Kompetenzen damit besonders gut überprüft werden können – etwa Fach-, Methoden-, Sozial- oder Selbstkompetenz.
eAssessment-Navigator FHN: Entdecken Sie 13 praxisnahe Formate im interaktiven PDF der FHNW – direkt anwendbar und auch ideal für Sek II. Jetzt ausprobieren und passende E-Assessments finden.
Fragebogen Qualtrics (UZH): Beantworten Sie ein paar Fragen zu Ihrem Unterricht und erhalten Sie gezielte Empfehlungen für summative Assessments.
ZHAW Teaching Guide Multiple Choice: Vermeiden Sie reines Faktenwissen und Zufallstreffer: Der Guide hilft bei der gezielten MC-Konstruktion. Jetzt nutzen und bessere Prüfungsfragen entwickeln.
Digitale Kompetenz- und Bewertungsraster helfen dabei, Lernleistungen klar und nachvollziehbar zu beurteilen. Sie zeigen, welche Fähigkeiten gefördert und überprüft werden sollen, und machen die Bewertung für Schülerinnen/Schüler und Lernende transparent. So entsteht eine faire Grundlage für Feedback und Weiterentwicklung im Unterricht. Sie sind insbesondere auch hilfreich, um qualitative Bewertungskriterien festzuhalten. Zum Beispiel bei Präsentationen, Poster, schriftlichen Arbeiten, Portfolios, Gruppenarbeiten, u.a.m.
Hier finden Sie Beispiele und Vorlagen:
- Kompetenzraster für überfachliche Kompetenzen der Berufsfachschule Winterthur:
- Gedanken zu Single Point Rubricsim Deutschunterricht von Philippe Wampfler
- Rubrics und Bewertungsraster von Teaching Tools der UZH
- Kompetenzraster der ETHZ
- VALUE-Rubrics – Vorlagen der Association of American Colleges and Universities (AAC&U)
Schieberegler
Ein Orientierungsmodell für Lehrpersonen, um schrittweise neue Formate zu erlernen oder zu entwickeln, ist der «Schieberegler»: Er macht sichtbar, in welchen Dimensionen Gestaltungsspielräume bei eAssessments bestehen, z.B. in Zeit, Raum, Sozialform, Binnendifferenzierung, Mitbestimmung, Aufgabentyp, Taxonomiestufe oder Materialvielfalt. Verschiebt man einzelne Regler gezielt, so entstehen neue Unterrichts- und Prüfungsszenarien, die das selbstgesteuerte Lernen, die Zusammenarbeit und authentische Aufgaben unterstützen. Erfahrungen können so unter Lehrpersonen geteilt, Beispiele verglichen und neue Formate erprobt werden.
Mehr zum Schieberegler:
- Institut für zeitgemässe Prüfungskultur, Reflexionstool für zeitgemäße Prüfungsformate
- Haverkamp, Hendri: Prüfen mit digitalen Instrumenten, Zeitschrift PÄDAGOGIK 6/23.
- Langela-Bickenbach, A., Dreier, R., Wampfler, P., Albrecht, C. (Hrsg.): Wege zur einer zeitgemässen Prüfungskultur. Grundlagen und Praxisbeispiele, Weinheim, Basel, Beltz 2024.
- Muuss Merholz, M.: Was sind alternative Prüfungsformate für zeitgemässe Bildung? Eine Videoreihe mit dem Institut für zeitgemässe Prüfungskulutr, J&K 2022.
Nicht jedes mögliche eAssessment-Format ist automatisch lernförderlich – und nicht jedes lässt sich problemlos umsetzen. Good Practice entsteht durch gemeinsame Weiterentwicklung.
Lust auf neue Ideen fürs eAssessment? An Schulen der Sek II werden laufend neue digitale Methoden ausprobiert und weiterentwickelt – kreativ, praxisnah und erfolgreich. Zur Inspiration finden Sie hier eine exemplarische Sammlung bewährter Methoden und Ansätze.
Haben Sie eigene Beispiele, Fragen oder Anregungen? Dann freuen wir uns über Ihre Nachricht an: eassessment[at]dlh.zh.ch