Digitale summative Assessments
Abschlussprüfungen in der Berufsmaturitätsschule im Fach Deutsch. Die Schülerinnen und Schüler arbeiten mit ihrem BYOD-Gerät in einem Learning Management System, das via SEB nur Zugang zu bestimmten Hilfsmitteln erlaubt. Die Lernenden sind zuvor transparent über das Prüfungssetting informiert worden und konnten anhand alter Prüfungen das Format kennenlernen. Die Lernenden wählen eines von zwei Prüfungsthemen. Jedes Thema besteht aus einem Grundlagentext mit zugehörigen Prüfungsaufgaben zum Textverständnis und einer Auswahl von drei Schreibaufträgen. Für die Formulierung der Aufgaben werden standardisierte Operatoren gewählt, d.h. Verben, die zum sprachlichen Handeln auffordern. Die Operatoren unterscheiden drei Komplexitätsstufen kognitiver Aktivitäten, die sich an die Bloom’sche Taxonomie anlehnen: I. Reproduktion, II. Reorganisation und Transfer, III. Reflexion und Problemlösung. Es stehen den Lernenden drei verschiedene Schreibaufträge pro Thema zur Auswahl: Argumentativer Text, Essay, Fiktionaler Text. Die Korrektur erfolgt kriterial.

Grafik Schieberegler für Format «Partly Closed»
Anwendungsfelder:
Abschlussprüfungen im Fach Deutsch
Beispiel:
an der Berufsmaturitätsschule Winterthur (BM-Abschlussprüfung – Digital Learning Hub Sek II, Deutschmatur 2024 - Hinweise und Deklaration)
Fokuspunkt:
Eine sichere Prüfungsumgebung ist eine Kombination von organisatorischen, technischen und personellen Massnahmen. Siehe DLH-Empfehlungen zum schriftlichen digitalen Prüfen, 2026)
Technische Unterstützung:
kann mit allen kantonal empfohlenen eAssessment-Software-Lösungen (Classtime, Exam.net, IsTest, Moodle und SEB) durchgeführt werden
Schülerinnen und Schüler sollen lernen, sowohl ohne als auch mit KI-Hilfsmitteln Texte zu schreiben. Denn je Situation sind später im Beruf oder Studium beide Fähigkeiten gefragt. Der Leistungsnachweis dafür kann in einer einzigen Prüfung eingeholt werden. Die Schülerinnen und Schüler erhalten eine Auswahl an komplexen Aufsatzthemen und schreiben zum Thema ihrer Wahl insgesamt zwei Texte. Der erste Text wird ohne Hilfsmittel in einer digitalen geschlossenen Schreibumgebung geschrieben. D.h. die Lernenden arbeiten auf ihrem BYOD-Gerät und können ausser der Schreib-Software keine anderen Programme aufrufen oder auf KI zugreifen. In einer zweiten Phase überarbeiten sie den ersten Text und können dazu das Internet frei benutzen. Beide Texte werden schliesslich gesamthaft bewertet mit einem Kompetenzraster. Diese Methode stellt zwar hohe Anforderungen an die Schülerinnen und Schüler und Lehrpersonen. Die Erfahrung zeigt: Gute Settings waren bei Abschlussprüfungen mit kleinem Aufwand nie zu haben.

Grafik Schieberegler für Format «Aufsatz mit und ohne KI»
Anwendungsfelder:
Textanalyse, Textkreation im Fach Deutsch, Abschlussprüfung
Beispiel:
an der Kantonsschule Uetikon (siehe auch Beitrag von Philippe Wampfler vom 22.03.2026 auf Texte ohne und mit KI schreiben – das Uetiker Konzept für den Maturaufsatz – Schule Social Media)
Fokuspunkt:
Methodenkompetenz: kritischer, kreativer und kompetenter Einsatz von KI
Technische Unterstützung:
Classtime + SEB, fobizz
In einer übersichtlichen Tabelle sind alle Aufträge eines Zeitraums und ihre Bewertung sichtbar. Sie dient als gemeinsames Planungs- und Kontrollinstrument für Lernende und Lehrpersonen und damit als Grundlage für Feedbackgespräche. Jeder Auftrag wird dokumentiert. Die Lernenden und die Lehrenden haben damit jederzeit die Übersicht, Struktur und Orientierung über den Lernstand und den Lernprozess. Die Sammlung aller bearbeiteten Aufträge entsteht als Lernportfolio. Als Leistungsnachweise werden vielfältige Produkte eingefordert, um unterschiedliche Methodenkompetenzen zu fördern und zu überprüfen (Plakate, Lösungen von Beispielaufgaben, Zusammenfassungen, Vorträge, Diskussionen, Vergleiche, grafische Darstellungen, Lernfilme, Mind Maps, Begriffsdefinitionen ...).

Grafik Schieberegler für Format «Plan your Learning»
Anwendungsfelder:
Projektunterricht;Förderung von Fach- und Methodenkompetenzen
Beispiel:
Bildungszentrum Limmattal (siehe Innovationsfonds-Projekt Plan Your Learning – Digital Learning Hub Sek II)
Fokuspunkt:
Förderung der Selbsteinschätzung und Selbstwirksamkeit der Lernenden; authentische Kompetenznachweise (div. Formate)
Technische Unterstützung:
Moodle
Bei der Maturprüfung im Fach Italienisch wurde über mehrere Jahre ein neues Prüfungsformat erprobt. Die schriftliche Prüfung umfasst zwei gleich gewichtete Teile (je 2 Stunden). Teil 1: eine Paper-Pencil-Prüfung zur individuellen Leseliste. Teil 2: die Analyse eines unbekannten Kurzfilms unter Nutzung des gesamten Webs. Der erste Teil überprüft primär autonome Sprachkompetenz, Analyse und Interpretation einer selbst gewählten Leseliste, die literarische und nicht-literarische Texte, audiovisuelle und visuelle Dokumente zu einem Themenbereich umfasst.
Der zweite Teil überprüft primär interkulturelle Kompetenz sowie assistierte Sprachkompetenz, d. h. die Fähigkeit, in Ko-Konstruktion mit digitalen Hilfsmitteln (inkl. KI-Tools) eine präzise Analyse und eine reflektierte persönliche Stellungnahme zu einem bislang unbekannten kulturellen Artefakt zu entwickeln.
Anwendungsfelder:
Fachkonpetenz in Italienisch; ko-konstruieren, reflektieren, transferieren
Beispiel:
Open Web-Matura(Kantonsschule Uetikon; ein umfassender Bericht dazu erscheint im Sommer 2026):
Fokuspunkt:
Auch die mündliche Prüfung wurde neu konzipiert. Da die Leseliste bereits schriftlich geprüft wird, werden zu Beginn (ca. 5 Minuten) lediglich ausgewählte Aspekte der vorliegenden Leistung aufgegriffen und vertieft. In den anschliessenden 10 Minuten bearbeitet der Kandidat/die Kandidatin ein problemorientiertes Szenario im Themenbereich der eigenen Leseliste. Das Problem wird 15 Minuten vor Prüfungsbeginn bekannt gegeben; die Lehrperson übernimmt im Gespräch eine definierte Rolle, um dialogische, pragmatische und lösungsorientierte Sprachkompetenzen sichtbar zu machen.
Technische Unterstützung:
ExamNet in abgesicherter Umgebung (SEB)
Erstveröffentlichung am 02.04.2026, Update 10.06.2026
Den Schülerinnen und Schülern bzw. Lernenden wird ein komplexer Praxisfall vorgelegt. Die Lernenden erarbeiten sich die Lösung selbständig in einem eng definiertem Zeitrahmen. Es sind alle Hilfsmittel und auch KI zugelassen. Die Handlungskompetenzbereiche werden dadurch vernetzt geprüft. Durch die Prüfungsform und das integrierte Fallbeispiel sind die Taxonomiestufen der Aufgaben angehoben.

Grafik Schieberegler für Format «Open Book Prüfung mit integriertem Fallbeispiel»
Anwendungsfelder:
analysieren, vergleichen, entwickeln, bewerten, d.h. die verschiedenen Facetten von Handlungskompetenz; AI Literacy
Beispiele:
Fokuspunkt:
Die Entwicklung der Prüfungen als «Gemeinschaftswerk», welche frühzeitige Planungs- und Vorbereitungsarbeiten, inkl. Schulungen von Lehrpersonenerfordert. Transparente Information der Schülerinnen/Schüler bzw. Lernenden.
Technische Unterstützung
z.B. SEB, SmartLearn
Erstveröffentlichung am 02.04.2026
Schülerinnen und Schüler bzw. Lernende erstellen über längere Zeit selbständig ein schriftliches, wissenschaftliches, kreatives oder künstlerisches Werk. Durch die Digitalität wird das Spektrum an möglichen Formaten breiter und die Produktvielfalt grösser. Sie arbeiten frei, einzeln oder im Team, mit vereinbarten Hilfsmitteln (inkl. KI) und erhalten begleitendes Feedback von Lehrpersonen (feedup – feed back – feedforward). Die abschliessende Beurteilung kombiniert Prozess-, Produkt- und Präsentationsbeurteilung nach vorgängig definierten und transparent kommunizierten Kriterien, z.B: mit Hilfe digitaler Kompetenz- und Bewertungsrastern.

Grafik Schieberegler für Format «Vertiefungs-, Projekt- und Abschlussarbeit»
Anwendungsfelder:
Selbstgesteuertes, projekt‐ und transferorientiertes Lernen. Die Sprach- und die sogenannten Schlüsselkompetenzen (4K) können gut beurteilt werden, wenn KI bewusst integriert wird.
Praktisch umgesetzt:
- Richtlinien von Schulen, welche den Einsatz von KI für Vertiefungs- und Abschlussarbeiten mitberücksichtigen: LapTabNet - ZEM CES
- Handreichungen zur Verwendung von GenKI bei Vertiefungs- und Abschlussarbeiten
- Ausgezeichnete VA und Maturitätsarbeiten von Berufslernenden, Berufsmaturandinnen und Berufsmaturanden und Maturandinnen und Maturanden aus dem Kanton Zürich: Nachhaltigkeitspreis, Maturitätsarbeiten an Zürcher Mittelschulen
Fokuspunkt:
Lernbegleitung durch Lehrpersonen; Kompetenzraster
Technische Unterstützung:
z.B. LMS, OneNote, div. fachspezifische Software (datenschutzkonform)
Erstveröffentlichung am 02.04.2026, Update am 10.06.2026
Schülerinnen/Schüler bzw. Lernende tragen in der Leistungsbeurteilung eine VR-Brille. Im 360°-Video treffen sie eine ihnen bekannte Arbeitssituation an, die komplex und offen ist. Diese gibt Anlass für ein vielseitiges Fachgespräch zu den relevanten Kompetenzbereichen. Die Lehrperson verfolgt die Blickrichtung der Schülerinnen/Schüler bzw. Lernenden auf dem Laptop und stellt zur jeweiligen Situation passende Prüfungsaufgaben auf verschiedenen Taxonomiestufen. Grundlage für das Video bildet ein durchdachtes Drehbuch, das den Wissenstransfer aus der Erfahrungswelt der Schülerinnen/Schüler bzw. Lernenden fördert.

Grafik Schieberegler für Format «Mündliches Prüfungsgespräch (mit VR)»
Anwendungsfelder:
Simulation und Variation von authentischen Handlungssituationen, Fachkompetenzen
Praktisch umgesetzt:
Virtual Reality in der Berufsbildung (Allgemeine Berufsschule Zürich, Berufsschule Limmattal, Eidgenössische Hochschule für Berufsbildung EHB)
Fokuspunkt:
Eingehen auf individuelle Situationsbezüge. Verwendung von datenschutzkonformer Software; je komplexer die Technik, desto entscheidender ist ein konsequentes «Constructive Alignment»; Beratung
Technische Unterstützung:
VR-Brille mit entsprechender Software
Erstveröffentlichung am 02.04.2026, Update am 10.06.2026