Denken mit KI
im Unterricht
Ich kann allem widerstehen ausser der Versuchung (Oscar Wilde).
Wie schaffen wir es, der lauernden Versuchung zu widerstehen, Denkleistungen an die KI auszulagern? Wie gelingt es uns vielmehr, KI als Werkzeug zum Weiterdenken zu nutzen? Und wo liegen die Grenzen?
Diesen Fragen widmen wir uns im Fokusthema 2026. Selbst zu denken ist anstrengend. Im KI-Zeitalter, wo fixfertige Antworten, Aufsätze und Hausarbeiten nur einen schnellen Prompt entfernt liegen, braucht es nicht nur viel Disziplin, sondern auch eine starke Motivation und Überzeugung, dass sich die eigene Anstrengung lohnt. Trotz aller technologischen Hilfestellungen bleibt die Aufgabe bestehen, sich Themengebiete selbst anzueignen und eigenständig zu denken.
Bauer, E. et al. (2025): Looking beyond the hype: Understanding the effects of AI on learning, Educational Psychology Review, 37, 45.
In der Publikation wird das innovative ISAR-Modell vorgestellt, das vier unterschiedliche Kategorien von KI-Effekten im Lernprozess beleuchtet.
KI sitzt als Sparringpartner beim Lernen mit am Tisch
Das ISAR-Modell untersucht die Bedingungen für positive Lerneffekte beim Einsatz von generativer KI. (siehe auch https://dlh.zh.ch/home/kuratiertes/studien-und-publikationen-zu-ki">https://dlh.zh.ch/home/kuratiertes/studien-und-publikationen-zu-ki "Die Auswirkung von KI auf das Lernen verstehen".)

Es gilt, die Stufe der Inversion hinter sich zu lassen, und die Stufe der Redefinition für eine bedeutsame Änderung des Lernerfolgs zu erreichen.
Auf den Punkt gebracht: Wenn KI als Sparringpartner eingesetzt oder als intelligenter Tutor genutzt wird, ist der grösste Lerneffekt zu erwarten.
In der Publikation werden eine ganze Reihe von konkreten Handlungsempfehlungen genannt, die diesem PDF Handlungsempfehlungen nach dem ISAR-Modell zusammengefasst sind.
Frey, Pascal (2025): Schreiben im Zeitalter von KI, Gymnasium Helveticum 5/2025
Schreiben im Zeitalter der KI: Aufwertung des Schreibprozesses
Künstliche Intelligenz verändert das Schreiben grundlegend, wie Pascal Frey in seinem Beitrag festhält, eröffnet dabei jedoch auch enorme Chancen für Lernende und Schreibende.

Anstatt KI das Schreiben der Schülerinnen und Schülern bzw. Lernenden ersetzen zu lassen ("Prompt hinein, fertiger Text heraus"), müssen der Schreibprozess aufgewertet und die einzelnen Schritte bewusst gesteuert werden. Dabei soll KI als Helfer und Partner genutzt werden, nicht als Ersatz. Gemäss der vier klassischen Phasen des Schreibprozesses kann KI folgendermassen lernwirksam eingesetzt werden:
- als Impulsgeber in der Planung und Vorbereitung des Schreibens
- als Strukturierungshilfe bei der Recherche und zur Aufbereitung der Inhalte
- als Feedbackgeber in der Texterarbeitung und -überarbeitung
- als Produzent der formalen Korrektur
Die Fähigkeit, den eigenen Schreibprozess zu planen, durchzuführen und kritisch zu reflektieren, wird zur Schlüsselkompetenz.
Schreiben bleibt ein heuristischer Prozess – wer schreibt, denkt.
Die Verantwortung für den Text bleibt beim Menschen. Wenn die Vorschläge der KI kritisch geprüft und reflektiert werden, kann der Schreibprozess bereichert und beschleunigt werden.
Wang, J. et al. (2025): The effect of ChatGPT on students’ learning performance, learning perception, and higher-order thinking: insights from a meta-analysis, Humanities and Social Sciences Communications 12, 621.
Neue Lernpartnerin sitzt mit am Tisch und denkt mit
Die Metastudie von Wang und Fan (2025) liefert Lehrpersonen fundierte Belege, dass Künstliche Intelligenz als Lernpartnerin im Unterricht eingesetzt zum Nachdenken anregen und ein tieferes Verständnis des Lerninhalts bewirken kann.
Was die Ergebnisse für das Handeln der Lehrpersonen bedeuten:
Höhere Denkleistungen fördern: Die KI wird als Katalysator für Analyse, Synthese, Beurteilung und Problemlösung eingesetzt. Dies geht über die reine Informationsbeschaffung weit hinaus und drängt die Gefahr der "kognitiven Faulheit" stark zurück.
KI als „Intelligenten Tutor“ implementieren: Lernumgebungen werden so gestaltet, dass die KI personalisiertes Feedback gibt und den Lernprozess im Dialog begleitet – das entlastet und bereichert den Unterricht und vertieft das Verständnis für den Unterrichtsinhalt. Damit werden die Schwierigkeiten und Fragen der Schülerinnen und Schüler bzw. Lernenden ins Zentrum der Auseinandersetzung gerückt.
Aktive Lernumgebungen gestalten: Der Erfolg hängt vom Design ab. Die Wirksamkeit ist daran geknüpft, ob die Schülerinnen und Schüler bzw. Lernenden aktiv einbezogen werden und der Dialog im Wechsel zwischen eigenem Nachdenken, Austausch in der Klasse und mit dem intelligenten Tutor KI ermöglicht wird.
Kosmyna, N. et al. (2025): Your brain on ChatGPT: Accumulation of cognitive debt when using an AI assistant for essay writing task, [Preprint], arXiv:2506.08872.
Fan, Y. et al. (2025): Beware of metacognitive laziness: Effects of generative artificial intelligence on learning motivation, processes, and performance, British Journal of Educational Technology, 56(2), 489-530. Paper Access.
Moșoi, A.A. et al (2025): Do students need to think hard? The interplay of AI and cognitive abilities in solving problems, Education and Information Technologies.