Über das Projekt
Digitales Labor für MPAs
Das Projekt „Digitales Labor für MPAs“ zielt darauf ab, die Labordiagnostik-Kenntnisse bei angehenden Medizinischen Praxisassistenten und Praxisassistentinnen zu verbessern. Im digitalen Labor werden interaktive, auf der Plattform OpenOlat zugängliche Lernpfade entwickelt, die es Lernenden ermöglichen, ihre theoretischen Kenntnisse virtuell zu vertiefen und Laborprozesse praxisnah zu simulieren.
Beschreibung
Das Fach Labordiagnostik stellt einen der wesentlichen Grundpfeiler in der Berufskunde-Ausbildung angehender medizinischer Praxisassistenten und Praxisassistentinnen (MPA) dar. Im Fach Labordiagnostik wird den Lernenden das theoretische Grundlagewissen vermittelt, welches später in den beiden Lernstandorten Lehrbetrieb und ÜK-Zentrum praktisch umgesetzt wird. Gemäss aktueller Bildungsverordnung und Lektionenverteilungsplan der Juventus Schule für Medizin (JME) stehen über die drei Lehrjahre insgesamt 120 der 1620 Unterrichtslektionen für den Laborunterricht zur Verfügung (7%). Das Fach Labordiagnostik wird als Handlungskompetenz C am digitalen QV geprüft und trägt zu 20% zur berufskundlichen Abschlussnote bei.
Regelmässige Unterrichtsausfälle durch Feiertage belasten den ohnehin engen Zeitplan im Fach und führen dazu, dass Inhalte oft nur knapp vermittelt werden. Lernende in Praxen ohne Labor (z. B. Dermatologiepraxen) können das theoretisch Gelernte zudem nicht praktisch anwenden, was sich negativ auf ihre Leistungen auswirkt. Eine individuellere Förderung, angepasst an die jeweilige Praxissituation, wäre notwendig, ist jedoch bisher nicht umsetzbar.
Das Projekt „Digitales Labor“ entwickelt interaktive Lernpfade auf der Plattform OpenOlat, die es den Lernenden ermöglichen, Labordiagnostik virtuell zu üben und anzuwenden. Simulationen, Visualisierungen und praxisnahe Übungen machen theoretisches Wissen erlebbar und geben auch Lernenden ohne Laborzugang wertvolle Laborerfahrungen. Die digitalen Simulationen sind dabei keine vollständigen Ersatzlösungen, sondern eine Ergänzung zur praktischen Ausbildung und zum Präsenzunterricht. Der Erwerb von praktischen Kompetenzen, beispielsweise die physische Erfahrung mit realen Geräten und Materialen, kann und soll durch unser Projekt nicht ersetzt werden. Der Einsatz der E-Learning-Technologie soll vielmehr darauf ausgelegt sein, vorhandene Lücken zu schliessen und Lernenden unabhängig von äusseren Umständen eine qualitativ hochwertige Ausbildung zu ermöglichen.
Die digitalen Lernpfade zielen schlussendlich darauf ab, Handlungskompetenzen wie Präzision, kritisches Denken und eigenverantwortliches Lernen zu fördern. Das Projekt schafft Chancengleichheit, indem es allen Lernenden eine hochwertige Ausbildung ermöglicht, unabhängig von äusseren Bedingungen.
Didaktisch-methodisches Konzept
Das Projekt basiert auf einem Blended-Learning-Ansatz, der Präsenzunterricht mit selbstgesteuertem Lernen kombiniert. Das Konzept soll dabei keine zusätzliche Mehrbelastung an Lernzeit für die Lernenden schaffen, sondern vielmehr die vorhandenen Lernressourcen effizienter nutzen und flexiblere Lernmöglichkeiten bieten. Die Lernpfade aktivieren die Lernenden durch interaktive Module, Simulationen und praxisnahe Fallstudien. Lehrpersonen agieren als Coaches und Moderatoren, die die Lernenden individuell unterstützen und Feedback geben. Die digitalen Module fördern eine hohe Unterrichtsqualität, Motivation und Engagement der Lernenden.
Lernsetting:
- Präsenzphasen: Während des Präsenzunterrichts werden theoretische Grundlagen im Bereich der Labordiagnostik vermittelt.
- Selbstlernphasen: In den Online-Lernphasen auf der OpenOlat-Plattform vertiefen die Lernenden eigenständig ihre Kenntnisse.
Lernprozess und Methoden:
- Selbstgesteuertes Lernen: Die Lernenden arbeiten in ihrem eigenen Tempo an den digitalen Lernpfaden.
- Interaktive Simulationen: Diese digitalen Tools ermöglichen es den Lernenden, wichtige Laborprozesse wie die Blutentnahme, die Handhabung von Blutentnahmeröhrchen oder die Analyse von Proben sicher zu üben.
- Fallbasiertes Lernen (PBL): Die Lernenden bearbeiten praxisnahe Fallstudien, die sie herausfordern, theoretisches Wissen anzuwenden und diagnostische Entscheidungen zu treffen.
- Reflexion und Transfer: Nach Abschluss eines Moduls reflektieren die Lernenden ihre Erfahrungen, um den Transfer in die berufliche Praxis zu fördern. Unterstützt werden sie dabei von Lehrpersonen, die als Lerncoaches fungieren.
Umsetzung der Kompetenzen und Ziele:
Die beabsichtigten fachlichen und überfachlichen Kompetenzen werden durch diese didaktische Struktur gezielt gefördert. Präzision und Fachwissen werden durch Simulationen und praxisnahe Übungen vertieft, während überfachliche Kompetenzen wie Selbstmanagement und digitale Kompetenz im Rahmen der eigenständigen Online-Lernphasen gestärkt werden. Das didaktische Konzept stellt sicher, dass die Lernenden optimal auf die Anforderungen der Labordiagnostik und der zukünftigen Arbeitswelt vorbereitet werden.
Wirkung
Das Projekt „Digitales Labor für MPAs“ richtet sich an verschiedene Zielgruppen innerhalb der medizinischen Berufsausbildung und darüber hinaus:
- Primäre Zielgruppe: Lernende in der Ausbildung zur Medizinischen Praxisassistentin bzw. zum Medizinischen Praxisassistenten (MPA). Diese profitieren direkt von den digitalen Lernpfaden, die ihnen eine fundierte Ausbildung im Bereich Labordiagnostik ermöglichen, unabhängig von der Ausstattung ihres Ausbildungsbetriebs.
- Lehrpersonen: Lehrkräfte, die das digitale Labor in ihren Unterricht integrieren, gewinnen ein flexibles Tool zur Vermittlung theoretischer und praktischer Inhalte. Die digitale Unterstützung entlastet die Lehrpersonen und ermöglicht eine individuellere Förderung der Lernenden.
- Berufsschulen und Ausbildungsbetriebe: Die Berufsschulen profitieren von einer innovativen Lehrmethode, die den Unterricht flexibler und moderner gestaltet. Ausbildungsbetriebe können sicher sein, dass die Lernenden einheitliche und qualitativ hochwertige Kenntnisse im Bereich Labordiagnostik erwerben, unabhängig davon, ob sie Zugang zu einem Praxislabor haben.
- Weitere Zielgruppen: Langfristig kann das Konzept auf andere medizinische oder naturwissenschaftliche Ausbildungsgänge übertragen werden, z.B. für die Ausbildung von medizinischen Praxiskoordinatoren und -koordinatorinnen (kurz MPK), für die Ausbildung von tiermedizinischen Praxisassistenten und -assistentinnen oder anderen Gesundheitsfachkräften.
SAMR-Modell
Im SAMR-Modell gehört das Projekt in den Bereich "Redefinition", weil es Aufgaben ermöglicht, welche analog so nicht möglich wären.