Projektleitung: Stefanie Wick Widmer, Marius Roth und Nina Schnatz
Institution: Berufsbildungsschule Winterthur
Kontakt: stefanie.wickwidmer@bbw.ch

Mittels eines Orientierungstests evaluieren die Lernenden ihre Grammatik-, Lese- und Schreibkompetenzen. Danach absolvieren sie ein auf ihre Schwächen abzielendes Förderprogramm.

Deutschtraining – Mittels eines Orientierungstests

Produkt

Das Produkt liegt in Form eines Ergebnisberichts vor.
 

 

Beschreibung

Beschreibung

Ab 2022 werden Lernende mit einer Gesamtnote 5.0 im eidgenössischen Fähigkeitsausweis (EFZ) prüfungsfrei in die BMS aufgenommen. 2020 und 2021 war dies bereits der Fall. Die Erfahrungen der BM-Deutschlehrpersonen aus den beiden letzten Schuljahren zeigt, dass Lernende mit schwachen Deutschkompetenzen Einlass finden. Einige haben die Inhalte der Sekundarschule nicht repetiert und aufgearbeitet, andere kommen aus einem schwierigen soziokulturellen Umfeld, wieder andere haben einen Migrationshintergrund. Im BM-Deutschunterricht müssen daher vermehrt Lücken aufgearbeitet werden, damit der eigentliche BM-Deutschinhalt überhaupt behandelt werden kann.

2018 stand bei der Erhebung der Pisastudie «Lesen» im Bereich Deutsch im Zentrum. Die Resultate der Pisastudie belegen, dass die Analyse der Deutschlehrpersonen nicht täuscht. Die Lesekompetenz von Schweizer Lernenden sank, sie war z.B. noch nie so tief wie 2018. (vgl. Pisa_Bericht_2018_sbfi und NZZ 17.1.22).

Das Förderprogramm hat zwei Zielgruppen vor Augen:

Zielgruppe A: Lernende, deren Muttersprache Deutsch ist, die aber Mühe mit Lesen und Schreiben haben.

Zielgruppe B: Lernende, für die Deutsch Zweitsprache ist.

Das Projektteam erstellt einen computerbasierten Deutschorientierungstest. Alle Lernenden absolvieren unmittelbar nach Eintritt in die BM den Deutschorientierungstest auf der schuleigenen LMS. Der Test ist in zwei Teile gegliedert. Im ersten Teil wird Grammatik und Rechtschreibung geprüft, im zweiten Teil das Leseverständnis. Der Lernstand wird digital ermittelt. Die Testresultate jeder Aufgabe sind für die Lernenden sichtbar. Die Transparenz der Testergebnisse soll zur Selbstreflexion anregen und motivieren, die persönlichen Schwächen durch gezieltes Training zu verbessern.

Das Projektteam stellt basierend auf den Erfahrungen der gesamten Fachschaft ein computerbasiertes Förderprogramm zusammen, das sich mit den Inhalten des Orientierungstests deckt. Das Projektteam sucht für die Testentwicklung Unterstützung im Departement Linguistik der ZHAW (Igor Matic). Die Lücken, die sich im Orientierungstest gezeigt haben, arbeiten die Lernenden mit verschiedenen  e-Learningprogrammen auf. In diesem MOOC werden theoretische Inputs gegeben und Online-Übungen zur Verfügung gestellt, die computerbasiert korrigiert werden. Das Programm soll adaptiv gestaltet sein, damit alle Lernenden sich weiterentwickeln können. Das Förderprogramm integriert auch bereits bestehende Übungen von digitalen Lernmitteln. Die adaptiven Lernprogramme Lernnavi und begriffen.ch werden in das Förderprogramm integriert. Auch andere externe Tools könnten ins Deutschtraining einbezogen werden.

Innovationspotential

Damit Lehrpersonen Schreib- und Lesekompetenzen gezielt fördern können, ist eine Diagnostik erforderlich, die es erlaubt, individuelle Stärken und Schwächen der Lernenden zu identifizieren. Im Ausbildungsgang BM2 ist das Schuljahr verkürzt und die Lehrpersonen haben wenig Zeit für eine Lernstanderhebung. Gleichzeitig kennen viele Lernende, die prüfungsfrei an die BMS gekommen sind, ihren Lernstand nicht. Der BM-Schullehrplan Deutsch baut auf dem Lehrplan 21 auf. Kompetenzen, die während der Volksschule erlangt werden sollten, werden in der BMS nicht nochmals trainiert. Lernende, die jedoch Lücken mitbringen, müssen diese für ein erfolgreiches Studium selbstständig schliessen. Der digitale Orientierungstest ermöglicht allen eine differenzierte Rückmeldung und dient zur Analyse der eigenen Leistung. Ein Trainingsprogramm kann gezielt auf die individuellen Lücken hin absolviert werden.

Der Orientierungstest wird mit dem Testtool des institutionseigenen LMS durchgeführt und ausgewertet. Die Zusammenstellung der beiden Teile Grammatik/Rechtschreibung und Textverständnis basiert auf den Anforderungen der bisherigen BM-Aufnahmeprüfung und orientiert sich an schulinternen Standards. Aufgrund der direkten Rückmeldung - auch zu einzelnen Aufgabenbausteinen - wird den Lernenden die  Selbstreflexion- und -evaluation ermöglicht. Gleichzeitig werden die Lehrpersonen einerseits vom Aufwand, passendes Übungsmaterial spontan bereitstellen zu müssen und andererseits von formalen Korrekturarbeiten entlastet. So können sie in diesem Bereich als Coaches  ihre Zeit für die individuelle Beratung und Förderung verwenden. Ihnen bleibt insgesamt mehr Zeit für die individuelle Korrektur von Textproduktionen sowie deren Auswertung und Besprechung.

 

Didaktisch-methodisches Konzept

Damit Lehrpersonen Schreibkompetenzen gezielt fördern können, ist eine Diagnostik erforderlich, die es erlaubt, individuelle Stärken und Schwächen der Schülerinnen und Schüler zu identifizieren. Sie sollte die Entwicklung der Schreibkompetenzen über die Zeit formativ, also begleitend zum Lehr-Lern-Prozess, erfassen – von der Grundschule bis zur 10. Klasse. Nach einem Einstufungstest erhalten die Lernenden Zugang zu einem digitalen Förderprogramm. Dieses Trainingsprogramm arbeitet gezielt an den Schwächen der einzelnen Lernenden. Eigenverantwortliches Üben wird verlangt und gefördert.

Neben dem Einstufungstest ist also das Bereitstellen von geeigneten Online-Übungen und entsprechenden Erklärclips eine zentrale Aufgabe dieses Projekts. Hier sind bereits diverse Produkte frei zugänglich oder für einen angemessenen Betrag nutzbar (z.B. lernnavi, Jahreskosten von ca. 15 Franken). Die Expertise der Lehrpersonen ermöglicht es, hier ein gezielt auf die erforderlichen Kompetenzen zugeschnittenes Programm zusammenzustellen, das möglichst viele Niveaus der Lernenden abdeckt. Als MOOC kann dieses dann von den Lernenden individuell genutzt werden.

Die individuelle Entwicklung der Lernenden wird während des Förderprogramms von kürzeren Übungstests, die sich am Einstufungstest orientieren, evaluiert. Um am Ende des Prozesses den Output überprüfen zu können, kann einerseits der ganze Einstufungstest nochmals absolviert werden, andererseits wird analog zu diesem ein abschliessender Test erstellt, welcher den Fortschritt aufzeigen kann. Die Deutschlehrpersonen begleiten die Lernenden und halten diese an, das Förderprogramm zu absolvieren. In Rückmeldungen zu Textproduktionen verweisen sie auf das Förderprogramm.

Wirkung

Lernende

  • Die Kompetenzen in der Lernsprache tragen wesentlich zum Erfolg oder Misserfolg der schulischen Laufbahn bei. Werden die Kompetenzen in der Lernsprache verbessert, sind somit die Erfolgschancen höher.
  • Lernende mit einem Migrationshintergrund oder mit einem soziokulturell bildungsfernen Hintergrund arbeiten ihre Deutschlücken auf.

Lehrpersonen

  • Die Deutsch-Lehrpersonen erhalten ein Diagnostiktool und ausgewählte Ressourcen. So sind sie von formalen Korrekturarbeiten entlastet und können ihre Zeit für individuelle Beratung und Förderung verwenden. Ihnen bleibt mehr Zeit für die Korrektur von Textproduktionen, deren Auswertung und Besprechung. 
  • Steigt die Lese- und Schreibkompetenz der Lernenden, können die  Lehrpersonen sich in allen Disziplinen auf den Inhalt fokussieren. Es findet ein Austausch über basale Kompetenzen über die Fachschaften hinweg statt.

SAMR-Modell

Erläuterung zum SAMR-Modell.

Im SAMR-Modell kann das Projekt in den Bereich der "Augmentation" eingeteilt werden, da es funktionale Verbesserungen gegenüber analogen Varianten aufweist.

 
Schreibe Kommentare...
Sie sind Gast
oder kommentiere als Gast
Lade Kommentare... Der Kommentar wird neu geladen 00:00.

Schreibe den ersten Kommentar.

Intro Animation Züri Wappen