Projektleitung: Sebastian Bott und Sebastian Egli (Geschichte)
Institution: MNG Rämibühl, Zürich
Kontakt: sebastian.bott@mng.ch

In diesem Unterrichtsprojekt soll im Fach Geschichte erlebbar und reflektiert werden, wie Algorithmen die politische Einstellung und Wahrheitspraktiken in Zeiten der vierten Medienrevolution prägen.

Beschreibung

Es ist unbestritten, dass Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) unsere Welt und unser Selbstverständnis tiefgreifend und umfassend verändern. Mit dieser Transformation beginnt eine neue, vierte Medienepoche (Dirk Baecker, 2018). Bezüglich dieser vierten Medienepoche hält Michael Hampe (2018, 16) fest:

 

Die etablierten Wahrheitspraktiken machen durch die Entwicklung der elektronischen «Wissensmaschinen» einen Wandel durch. Journalismus, Medizin und Wissenschaft werden zu neuen Praktiken durch künstliche Intelligenzen, die nicht körperlich an der menschlichen Lebensform teilhaben, sich aber selbstständig entwickeln. Dieser Wandel muss wahrgenommen und durchdacht werden, damit die Menschen ihn gestalten können, anstatt auf ihn bloss zu reagieren wie auf eine Naturkatastrophe, die Schäden begrenzend.

 

Das «Durchdenken» der Auswirkungen von IKT im Zusammenhang mit politischen Entscheidungen und Verfahren ist besonders gefordert, geht es hierbei doch um die Grundlagen unseres Zusammenlebens. Konkret soll deshalb innerhalb eines Unterrichtsprojekts im Fach Geschichte erlebbar und reflektiert werden,

wie Algorithmen die politische Einstellung und Wahrheitspraktiken in Zeiten der vierten Medienrevolution prägen.


 

Didaktisch-methodisches Konzept

Das Projekt ist in einen theoretischen und einen praktischen Teil untergliedert. Innerhalb des theoretischen Teils stehen zwei Themen im Vordergrund: Erstens soll Baeckers Begriff der «vierten Medienepoche» geklärt werden. Zweitens soll dargelegt werden, wie Prozesse der politischen Meinungsbildung mittels Algorithmen

gesteuert werden. Dieser theoretische Teil basiert auf der Sichtung relevanter Literatur: Baecker (2018), O’Neil (2018), Schroeder (2018), MIT Technology Review (2018), Mau (2017), Seyfert/Roberge (2017), Drösser (2016), Floridi (2015), Stiller 2015 (siehe Bibliographie).

Im Rahmen des praktischen Teils wird einer Gruppe von SuS ein Social Network zur Verfügung gestellt. Die SuS erhalten den Auftrag, sich auf diesem Netzwerk zu politischen Themen (z. B. anstehenden Abstimmungen) zu äussern und auszutauschen. In diesen Austausch wird unbemerkt mittels eines kontextsensitiven Social Bots eingegriffen. Gegen Ende des Projekts wird analysiert, inwiefern die Prozesse der Meinungsbildung auf dem sozialen Netzwerk durch den Einsatz des Social Bots beeinflusst wurden. Bei dieser Aufarbeitung soll auch die Brücke zur Eingangs behandelten Medientheorie geschlagen werden.

Wirkung

Die SuS sollen ein Bewusstsein dafür erhalten, inwiefern Veränderungen der Medienlandschaft Prozesse der Meinungsbildung und Praktiken der Wahrheit tangieren. Nachdem sie diesen Sachverhalt theoretisch reflektiert haben, sollen sie in der Interaktion über das soziale Netzwerk unmittelbar erleben, inwiefern ihre

eigenen Prozesse der Meinungsbildung und Vorstellungen von wahr und falsch durch den Einsatz eines Social Bots beeinflusst werden können.

 

SAMR-Modell

Erläuterung zum SAMR-Modell.

Das Projekt kann im SAMR-Modell im Bereich "Redefinition" eingeteilt werden, da es durch den IKT-Einsatz ein Unterrichtssetting mit einem Social Network und einem Social Bot generiert, welches ohne Technik so nicht durchführbar wäre.

 

Und sonst?

Zur Entwicklung des Unterrichtsprojekts ist es notwendig, ein passendes Social Network zu erstellen und einen kontextsensitiven Social Bot zu programmieren. Dazu konnten wir zwei ehemaligen Maturanden gewinnen, welche Erfahrungen in diesem Bereich haben. Das Projekt ist so konzipiert, dass eine Lehrperson, die das Projekt realisieren möchte, das soziale Netzwerk im Prinzip selbstständig einrichten und den Social Bot nutzen kann. Für den Theorieteil stellen wird ausgehend von der Sichtung der Literatur Unterrichtsmaterialien zur Verfügung. Für die Analyse der durch den Einsatz des Social Bot erfolgten Effekte wird eine passende Software zur Verfügung gestellt.

 

Die Schule organisiert und finanziert die Einrichtung des sozialen Netzwerkes. Der Social Bot und die Analysesoftware werden zur Verfügung gestellt.

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